#Freundesverrat

Freundesverrat ©thesweetg / photocase.de
Freundesverrat ©thesweetg / photocase.de

Wie halten Sie es eigentlich mit den Daten Ihrer Freunde, Bekannten und Verwandten? Sind diese bei Ihnen gut aufgehoben?

Wie wir alle wissen, ziehen Details aus unserem Privatleben die Internet-Datenkraken an, wie der Honig die Bären. Aber es sind nicht nur unsere eigenen Profile, auch die Daten all unserer Familienmitglieder, Freunde und Bekanntschaften – gespeichert in unseren elektronischen Adressbüchern – wecken Begehrlichkeiten.

Intime Daten im Adressbuch

Viele, vor allem kostenlose, Apps möchten daher auf diese Kontakte zugreifen. Kein Wunder, denn im Adressbuch stehen ja nicht nur unzählige Namen, Handynummern und Festnetzanschlüsse, sondern darin enthalten sind auch postalische und E-Mail-Adressen, Fotos aus allen Lebenslagen, sogar Kontonummern, Geburtstage und eventuell sehr persönliche Notizen – von Geschäftspartnern oder Freunden.

Wenn Sie beispielsweise WhatsApp nutzen, haben Sie es dem Programm bestimmt erlaubt, auf die Daten aller Kontakte zuzugreifen, die auf Ihrem Handy gespeichert sind. WhatsApp lädt die Daten danach auf eigene Server hoch und diese gehören – wie wir alle wissen – seit einiger Zeit Facebook. Wer sein Adressbuch nicht freigibt, kann nur Nachrichten empfangen oder darauf antworten. Damit kann dieser Dienst nicht mit seinen zahlreichen Funktionen eingesetzt werden.

Datenschutz verlangt: Erlaubnis aller Kontakte einholen

Streng genommen dürften Sie Messenger wie WhatsApp und Co., mit Freigabe des Adressbuchs, nur nutzen, wenn alle Ihre Kontakte damit einverstanden sind – von der Oma, der Flirt-Bekanntschaft von der letzten Bahnreise, dem Geschäftspartner bis zum Trauzeugen. Das jedenfalls besagt unser Datenschutzgesetz (§4 BDSG).

Die Realität ist eine andere: Niemand fragt die Personen im Adressbuch von A bis Z nach deren Einverständnis für die Daten-Weiterleitung. Und das alles nur, damit man einen vermeintlich kostenlosen Messenger oder eine andere App installieren kann. Oma hat nun möglicherweise aufgrund der WhatsApp-Nutzung ihres Enkels ein Datenprofil online, obwohl ihr das Internet so fremd ist wie einem Fisch die Wüste.

LinkedIn unterschreibt eigenmächtig mit Ihrem Namen

Facebook steht mit seinen Datenabgreif-Praktiken nicht allein da. Auch andere soziale Netzwerke und Internet-Dienste sammeln auf ähnliche Weise Informationen über Ihr privates Umfeld.

Besonders dreist ist dabei das Karrierenetzwerk LinkedIn. Es ist wie Facebook ein amerikanisches Unternehmen und unterliegt dem dortigen Datenschutzrecht, das nicht annähernd so streng ist wie das deutsche. LinkedIn fordert Sie bei der Registrierung dazu auf, Ihre Kontakte hochzuladen. Auf den Servern werden dann die neu eingegangenen Informationen mit den eigenen Datenbanken abgeglichen. Bei unbekannten Adressen lädt LinkedIn deren Besitzer ein, ebenfalls Mitglied des Netzwerkes zu werden – in Ihrem Namen und ohne Ihr Wissen oder Ihre Zustimmung.

© annabanana

Beispiel: Ferdinand meldet sich bei LinkedIn an und ist mit Fridolin befreundet und aus diesem Grund erscheint er in Ferdinands Kontakten. Fridolin ist nicht in diesem Netzwerk und erhält von LinkedIn im Namen von Ferdinand eine Einladung von LinkedIn, weil ja Freund Ferdinand ebenfalls dort ist.

Apps, die nur zum Datenabgreifen entwickelt wurden

Ein anderes (ebenfalls krasses) Beispiel ist „Go Keyboard“, eine App, die auf Android oder iOS die Standard-Tastatur Ihres Smartphones durch mehrere Zusatzfunktionen wie Sprache, Umlaute, Tastatur-Layout erweitert und personalisiert.

Diese Go-App ist auf den ersten Blick unspektakulär, doch nimmt sie alle Daten mit, derer sie habhaft werden kann – unter anderem was wir wann und wo mit welcher App schreiben. Hier kommt der Verdacht auf, dass diese Software mit seiner primitiven Funktionalität nur auf den Markt gebracht wurde, um Daten abzugreifen.

Freundesverrat

Fazit: Wenn es einer Ihrer Freunde oder Kollegen darauf ankommen lassen würde und Sie aufgrund seiner persönlichen Datenweitergabe verklagen wollte, er würde sicher Recht bekommen. Im Adressbuch bräuchten Sie diesen Kontakt dann wohl nicht mehr aufzulisten.

Ich bin also nicht nur für meine eigenen Daten verantwortlich, sondern auch für die Daten der anderen, wenn sich diese in meinem Besitz befinden. Alles andere ist #Freundesverrat.

 

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