Mein gemütliches Leben in der Filterblase

Wir befinden uns in der Filterblase © liama
Wir befinden uns in der Filterblase
© liama

Algorithmen und die sogenannte Künstliche Intelligenz übernehmen eine führende Rolle in unserem Leben. Computer entscheiden was wir sehen, wann und wo wir es sehen, immer häufiger auch was wir nicht sehen (sollen) und welche Wege uns im täglichen Leben geöffnet werden – oder eben nicht.

Diese Auswahl muss wohl auch in irgendeiner Form erfolgen, denn die Informationsschwemme für alle Vollvernetzten ist enorm. Wollte jemand mit beispielsweise mehr als 200 Kontakten, alle Neuigkeiten dieser Community noch mit vertretbarem Zeitaufwand verarbeiten, käme er zu wenig Anderem. Und es geht nicht nur um den Konsum; da sind auch Anfragen zu beantworten, eigene Likes zu setzen (oder zu löschen), Diskussionen zu führen, Status zu aktualisieren und und und.

Algorithmen – das Betriebsgeheimnis

Zwangsläufig mussten sich die Betreiber der großen sozialen Netzwerke etwas einfallen lassen, um ihre Nutzer nicht im überwältigenden Megabyte-Strom der Community-Neuigkeiten untergehen zu lassen. Die Newsfeeds werden daher schon seit geraumer Zeit vorselektiert. Wie? Das halten Facebook & Co. tunlichst unter Verschluss. Betriebsgeheimnis.

Digitale Filter steuern uns im Netz

Die Basis für die News-Auswahl sind digitale Filter, basierend auf raffinierten Algorithmen, die unsere vermeintlichen Vorlieben zu kennen glauben und uns täglich in leicht verdaulichen Häppchen servieren, was uns vermeintlich am wichtigsten ist.

Natürlich bedarf es umfangreicher Informationen über uns und unseren Charakter, ein sogenanntes Psychogramm, damit die Künstliche Intelligenz unser Leben komfortabler machen kann. Aber diese Daten liefern wir freiwillig tagtäglich auf unserem Weg durch die vernetzte Welt.

Wir laden unsere Meinungen, Bilder und Videos auf fremde Server, senden unverschlüsselt E-Mails und Kurzmitteilungen, chatten mit Freunden und Bots, die wie Menschen agieren, und googeln und surfen was das Zeug hält. Fitnesstracker füllen schließlich noch die letzten Informationslücken, die für ein umfassendes Menschprofil so wichtig sind. Halt. Nein. Ich vergaß die sogenannten „Smart Speaker“ Alexa, Google Home & Co. Erst diese Wohnzimmer-Wanzen lassen die letzten weißen Flecken unseres Daseins für die Datenindustrie schillernd bunt werden.

Mitten in der Wohlfühlzone – die Filterblase

Das Problem: Vom Totalverlust der Privatsphäre mal abgesehen, formen die vorausgewählten Informationen schleichend aber stetig unser Bild von der Welt und schleifen Ecken und Kanten der Vielfalt ab. Wir bewegen uns nur mehr in Komfortzonen, entdecken die Welt im digitalen Raum nicht mehr selbst, sondern lassen entdecken.

Die Mensch-gemachten Algorithmen bestimmen, was für uns am besten ist, was wir benötigen und wie wir uns fühlen (sollen).
Lassen wir das zu, befinden wir uns genau mitten drin, in der digitalen Filterblase. Aber beginnt bekanntermaßen das Leben nicht erst richtig, am Ende der Komfortzone?

Ausschnitt aus meinem Vortag: „Zwischen Bots und Spots: Wahlkampf der Algorithmen“, am 24. August 2017 auf Einladung der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Dresden.

 

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