Wahlen 3.0: Algorithmen manipulieren

Algorithmen entstehen aufgrund komplexer Berechnungen und Analysen. @Roodini / photocase.de
Algorithmen entstehen aufgrund komplexer Berechnungen und Analysen. @Roodini / photocase.de

Klassische Zeitungen, TV und Radio verlieren als Nachrichten- und Informationsquellen immer mehr an Bedeutung. Wir stillen unseren Nachrichtenhunger zunehmend aus den sozialen Kanälen. Hauptsächlich die Jüngeren von uns informieren sich über Snapchat, Facebook und Twitter. Im Gegensatz zu den konventionellen Medien steht bei Facebook keine Redaktion hinter den eingespielten Nachrichten, sondern Algorithmen.

Algorithmen sind nicht neutral 

Algorithmen sind die digitalen Helferlein, die dem Nutzer die vermeintlich „richtigen“ Meldungen auf seinen Kanälen präsentieren – passend zum Interessensprofil. Jeder Nutzer bekommt demnach genau die Informationen, die ihn aller Wahrscheinlichkeit nach interessieren, ihm bestenfalls sogar gefallen. Wir suchen uns damit nicht mehr proaktiv die Nachrichten, die wir gerne konsumieren möchten, sondern wir bekommen sie automatisiert zugespielt.

Einfluss auf Stimmungen nehmen

2012 kam Facebook wegen Manipulationsvorwürfen mit folgendem Experiment schwer in die Kritik. Zusammen mit der Cornell University und der University of California in San Francisco spielte das Unternehmen 700.000 englischsprachigen Nutzern über eine Woche lang entweder überwiegend positive oder überwiegend negative Meldungen von Freunden zu. Die Studienleiter wollten herausfinden, ob und wie sich dieses Experiment auf die Stimmung der Nutzer auswirkt. Die Testpersonen wussten nichts darüber. Und das Ergebnis: Nutzer, die mit positiven Kommentaren beglückt wurden, gaben auch größtenteils positives Feedback. Umgekehrt beeinflussten die negativen Impulse die Emotionen negativ.

Das ist Manipulation im ganz großen Stile. Genau wie folgendes Experiment, das ebenfalls von Facebook durchgeführt und 2012 in der Fachzeitschrift „nature“ publiziert wurde.

61 Millionen Facebook User erhielten bei den US-Kongresswahlen 2010 auf ihrem Newsfeed eine Wahlaufforderung. Mit einem „I-voted“-Button zeigten Nutzer ihren Freunden, dass sie zur Wahlurne gegangen sind. 340.000 zusätzliche Leute nahmen aufgrund dieses Impulses an den Wahlen teil.

Bestimmt Facebook den nächsten US-Präsident mit?

Jüngst wurde bekannt, dass Facebook-Mitarbeiter darüber sinnierten, ob sie den Algorithmus zu Lasten des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump verändern sollen. Ein Entrüstungssturm zog erfreulicherweise daraufhin über das Unternehmen hinweg.
Wer die Kanäle erstmals extrem gut für sich zu nutzen wusste, war US-Präsident Barack Obama. Er bekam 2012 die entscheidenden Stimmen dank seiner Social-Media-Aktivitäten. Obama gilt als Vorzeigepolitiker, wenn es darum geht, den Einfluss von Facebook, YouTube, Twitter und Co. im Wahlkampf zu belegen, Hillary Clinton bedient sich derzeit seiner Experten.

Und, wer gewinnt die nächste US-Präsidentschaftswahl oder die Bundestagswahl im September 2017? Wer am lautesten zwitschert? Wer im Dunstkreis von Facebook steht? Wer die Manipulationstechniken der Algorithmen beherrscht?

Bitte liebe LeserInnen, überlasst die Meinungsbildung nicht den sozialen Netzwerken, informiert euch selbst! Unsere Demokratie ist gefährdet!!

Mehr zum Thema Algorithmen und Datensammeln: Vom Nepp und Schlepp im Netz 

 

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Ein Kommentar

  1. Da lobe ich mir doch meine tägliche Tageszeitung, wohl wissend, dass ich ein Medienoldie bin, sehr erschreckend dieser Bericht!

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