Wer die Welt regiert

Der Kampf um die Daten @marqs/photocase.de
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Die Internet Association, zu deren Mitgliedern so ziemlich alle großen Internet-Konzerne wie Google, airbnb, Facebook, Twitter, Uber oder Amazon gehören, hat an den designierten US-Präsidenten Donald Trump unmittelbar nach den Wahlen einen offenen Brief geschrieben. Darin treten die Lobbyisten unter anderem für eine starke Verschlüsselung ein, die entscheidend für die nationale Sicherheit und für Individuen sei. Das ist wohl eine Reaktion zu Trumps Aussage im Wahlkampf, dass er Unternehmen – konkret Apple – dazu verpflichten wolle, Strafverfolgern Zugang zu verschlüsselten Informationen zu verschaffen.

Allerdings, so die Association weiter, solle das Datensammeln nicht eingeschränkt werden, Datensicherheit solle aber für Verbraucher im Falle eines Schadens gerichtlich geregelt werden. Hier der gesamte Brief vom 14. November 2016. 

Dieses Schreiben bestätigt mal wieder: Die amerikanische Wirtschaft lenkt die Welt. Viele Menschen wiegen sich in der Sicherheit, dass der Datenschutz eine Aufgabe der Politik ist und von oben für jeden einzelnen Bürger geregelt werde. Getreu dem Motto: Der Staat wird uns schon irgendwie durch Regelwerke schützen.

Datenkampf: David gegen Goliath

Nachdem im oben genannten Brief gleich zu Eingang erwähnt wird, wie viele Arbeitsplätze im Internet-Sektor geschaffen wurden, und dass diese Konzerne einen großen Anteil am Wirtschaftswachstum haben, wird Donald Trump diese Lobby-Arbeit nicht ignorieren können. Dazu kommt, dass Google und die meisten anderen Großkonzerne in Amerika sitzen – mit sehr viel lascheren Datenschutzgesetzen.

Und jetzt mal ganz ehrlich: Wie soll die Bundesregierung (alias David) gegen Goliath-Großdatenkraken wie Google und Facebook vorgehen?

Naturgemäß hinken wir mit Gesetzen immer hinter der Entwicklung her, denn die Technologie entwickelt sich rasant, schneller als je zuvor. Ich denke dabei an Internet der Dinge (IoT). Unternehmen entwickeln längst Produkte, die Menschen in deren Wohnungen überwachen können. Sprachassistenten von Google oder Amazon, aber auch Thermostate, Waschmaschinen oder Leuchtkörper, die auf Sprache, Bewegung und Temperaturen reagieren. Dann ist die Wanze im Haus. Selbst wenn die Regelwerke irgendwann kommen sollten, sie kommen zu spät.

Also was tun?

Ich appelliere an die individuelle Datensparsamkeit. Muss mir mein Kühlschrank wirklich sagen, dass ich kein Bier mehr vorrätig habe? Damit nehme ich in Kauf, dass mein Konsumverhalten an Goliath übermittelt wird. Und vielleicht gibt Goliath meinen Alkoholkonsum auf Anfrage an meine Versicherung oder den Arbeitgeber weiter?

Abschließend noch ein Zitat von der Leiterin der österreichischen Datenschutzbehörde Andrea Jelinek. Sie sagte jüngst in einem Interview im Technikmagazin futurezone, dass wir keine entmündigten Wesen seien. „Wir haben hier Eigenverantwortung und jeder sollte sich bewusst sein, was er tut. Darüber hinaus ist es eine Frage, die jeder Konsument für sich beantworten muss, ob die Übermittlung der Daten an das Unternehmen durch etwaige Vorteile einer Kundenkarte ausreichend kompensiert werden oder nicht.“

IoT: Ergebnisse einer monatelangen SZ-Recherche
Süddeutsche Zeitung: Apple – der Überstaat

 

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