Die Vermessung des Körpers

Fitness-Tracker sind kleine tragbare Computer am Körper, die dabei helfen, sich selbst zu vermessen. @LMDB / photocase.de
Fitness-Tracker sind kleine tragbare Computer am Körper, die dabei helfen, sich selbst zu vermessen. @LMDB / photocase.de

Tag und Nacht ist er dabei: Sein Begleiter kontrolliert, ob Herr Meier den Aufzug benutzt oder die Treppe hochrennt. Gleichzeitig weiß dieser auf ein Kilojoule genau, wie viel Energie dafür verbraucht wird (oder eben nicht). Ob Herr Meier dann das Frühstückscroissant in der Tasche überhaupt genießen darf und welche Wirkung dieses auf seine Blutfette hat? Das überlässt Herr Meier nicht dem Zufall, sondern seinem Begleiter. Wie ein Schutzengel überwacht er den Schlaf von Herrn Meier. Der Begleiter von Herr Meier ist ein Fitness-Tracker. 

Überwacher rund um die Uhr

Fitness-Tracker sind kleine tragbare Computer am Körper, sogenannte Wearables, die dabei helfen, sich rund um die Uhr selbst zu vermessen. Blutdruckwerte, Bewegungsdauer, Kalorienzufuhr oder Schlafzeiten werden 24 Stunden am Tag erfasst. Der Tracker überträgt die Daten dann über Bluetooth oder ähnliche Übertragungsformate auf das Smartphone oder einen Cloud-Server. Diese erstellen bunte Grafiken über persönliche Daten.

Gesundheitsvorsorge 2.0

Wearables wie Smartwatches, Fitnessbänder, SmartGlasses oder –Clothes werden nach Prognosen von Juniper Research bis 2019 um das 10-fache zunehmen (im Vergleich zu 2014).
Wearables wie Smartwatches, Fitnessbänder, SmartGlasses oder –Clothes werden nach Prognosen von Juniper Research bis 2019 um das 10-fache zunehmen (im Vergleich zu 2014).

Wearables motivieren zu mehr Bewegung und gesunderem Lebenswandel, argumentieren die Hersteller und Träger dieser Lifestyle-Geräte. Wissenschaftliche Beweise darüber gibt es noch nicht. Die Gesundheitsbranche jubelt, denn das Potential von Fitness-Trackern liegt einerseits in der Prävention von Krankheiten und andererseits in der medizinischen Versorgung. Dass sich daraus große Chancen für chronisch Kranke, Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen ergeben, ist keine Frage. Effizientere und kostengünstigere Gesundheitsversorgung könnte die Folge sein. Das kleine Gerät kann den Puls-Check übernehmen, die Pillen-Dosierung überprüfen und bei Diabetikern die Zuckerwerte kontrollieren. Der nächste Schritt wird sein, die erhobenen Daten von verschiedenen Geräten zu vernetzen und daraus Empfehlungen abzuleiten.

Das große Aber: Datenschutz

Ich als Datenschützer komme natürlich jetzt mit einem großen Aber, denn besonders sensible Gesundheitsdaten bedürfen eines besonderen Schutzes. Viele Anbieter haben ihren Sitz jedoch in den USA, wo Datenschutz bekanntermaßen weniger streng ist. Man kann davon ausgehen, dass diese Unternehmen die Daten weiterverkaufen. Dürfen sie ja auch, wir haben den Allgemeinen Geschäftsbedingungen in der Regel zugestimmt. Man darf nicht vergessen, hinter jedem dieser Geräte oder Apps steht ein Geschäftsmodell, kein altruistischer „Wir wollen, dass die Menschen gesünder leben“-Gedanke.

Worauf sollten Sie bei Wearables achten?

Mit Datensparsamkeit braucht man bei Fitness-Trackern nicht zu kommen, das widerspricht ihrem Grundnutzen. Bevor Sie sich ein solches Gerät zulegen, schauen Sie auf die Sicherheitsmerkmale. Die Datenübertragung verschiedener Geräte, z.B. vom Fitness-Armband auf das Smartphone, sollte unbedingt verschlüsselt erfolgen. Achten Sie darauf, wenn Sie die Daten von verschiedenen Geräten vernetzen, dass sich die Geräte untereinander authentifizieren, damit die Daten nicht von Hackern abgegriffen werden können. Leider gibt es bisher keine standardisierten Schnittstellen.

Anbieter schlampen beim Datenschutz

Allerdings muss ich mir bei allen Sicherheitsvorkehrungen die Frage stellen: Kann ich es verkraften, wenn meine Daten vielleicht irgendwann mal auf dem Schreibtisch meiner Versicherung oder meines Arbeitgebers landen? Erst kürzlich kam das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht in Ansbach zu dem Schluss, dass Anbieter von smarten Alltagsgeräten wie Fitnesstrackern beim Datenschutz ziemlich schlampen.

Pech für Senioren und chronisch Kranke

Und apropos Versicherung: Die Techniker Krankenkasse ist nicht die erste Krankenkasse, die Fitness-Tracker im Rahmen ihres Bonusprogramms bezuschusst. Auch die AOK beispielsweise belohnt damit ihre Mitglieder. Aber haben wir nicht ein Solidaritätsprinzip bei den gesetzlichen Krankenkassen? Werden Menschen die ungesund leben, die krank oder alt sind, damit nicht automatisch diskriminiert? Dooch!

Ach übrigens: Ich persönlich trage keinen Fitness-Tracker und ich werde auch nie einen tragen. Ich möchte mir ein Stück Privatsphäre in der digitalen Welt erhalten.

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