Geht gar nicht!

Der gläserne Versicherte

8. Februar 2018: Amazon will den Gesundheitsmarkt aufmischen – mit einer Krankenversicherung. Und noch zwei Dickschiffe sind dabei: die Großbank JP Morgan und die Holding Berkshire Hathaway des Starinvestors Warren Buffet. Ziel der drei ist es, die Gesundheitsversorgung ihrer Mitarbeiter zu übernehmen, um so die ausufernden Gesundheitskosten für die Beschäftigten zu senken.

onvista: Amazon plant Krankenversicherung

Amerikas Gesundheitssystem ist nicht mit unserem zu vergleichen. Dennoch werden die drei Giganten einen neuen Weg im Gesundheitsmarkt vorgeben. Dank Big Data – Amazon hat da viel beizutragen – wird die Versicherung in Zukunft genau wissen, wie es um Ernährung, Lebensstil, Vorlieben, Arbeitsbelastungen etc. des Versicherten steht. Wehe dem, der sich schlecht ernährt oder gerne und viel auf der Couch liegt! Dem kann ein hoher Versicherungstarif oder eine ordentliche Selbstbeteiligung drohen. Ade, Solidaritätsprinzip! Otto würde sich im Grabe umdrehen.

 

Schutzranzen: Die App, die Kinder in der Schule überwacht

App Schutzranzen @schutzranzen
App Schutzranzen @schutzranzen

Update 26. Januar:  Stadt Wolfsburg legt „Schutzranzen“ auf Eis, VW steigt aus

24. Januar 2018: In Wolfsburg und Ludwigsburg haben sich tatsächlich zwei Grundschulen darauf eingelassen, die App „Schutzranzen“ an Eltern zu verteilen und damit ein „Überwachungs-Projekt“ zusammen mit VW und den Herstellern der App zu starten. Mit „Schutzranzen“ können Eltern jederzeit verfolgen, wo sich ihre Kinder aufhalten. Ein Peilsender in der Schultasche sendet ein Signal und gibt den aktuellen Standort des Kindes auf das Smartphone oder Navigationsgerät. VW hat diese App auch in Testautos integriert und somit können entsprechende Autofahrer informiert werden, wenn „Schutzranzen“-Kinder in der Nähe des Autos herumspringen. Hersteller und Beteiligte werben damit, dass die App Unfälle vermeiden könne.

Gott sei Dank laufen Datenschützer und Digitalcourage bereits Sturm. Kritikpunkt ist, dass die einzelnen IP-Adressen durch die App ermittelt und damit die Kinder identifiziert werden können. Im Moment weiß (fast) keiner, wohin die gesammelten Daten hinwandern. „Die Bewegungsdaten von Schulkindern und Autos gehen in eine unsichere „Cloud“, weitere Daten unter anderem an Facebook, Microsoft, Amazon, Google, Akamai & Co.“, kritisiert Digitalcourage e.V. und hat einen Offenen Brief  VW muss Kinder-Tracking stoppen! veröffentlicht.

Mein erster Gedanke als ich von „Schutzranzen“ hörte: Die düsteren Szenen aus meiner Lieblingsserie „Black Mirror“ werden Wirklichkeit. Kinder bekommen in diesem Science-Fiction-Thriller einen Chip in den Kopf implantiert und werden damit permanent überwacht und manipuliert – aus vermeintlichen Schutzgedanken. GRUSELIG!

 

Lauschangriff via App

Es gibt App-Anbieter, die in ihre Produkte „Automated Content Recognition“-Technologie einbauen. Die US-Trackingfirma „Alphonso“ stellt solche Software-Module für App-Entwickler – insbesondere für die Hersteller von Spielen – bereit. Der Zweck des Ganzen: Umgebungsgeräusche vom Smartphone aufnehmen lassen, um diese analysieren zu können. Auch in Zeiten, in denen diese Lausch-Apps nicht genutzt werden, spähen sie das Umfeld ihrer Besitzer aus, wie die New York Times kürzlich berichtete.

mobilsicher: Diese Apps belauschen Sie

Die Lausch-Software erkennt, welche Radio-, TV- und Werbesendungen im Hintergrund laufen. Dazu gleicht sie Umgebungsgeräusche mit einer Datenbank ab, um Werbespots zu identifizieren. Mit dieser Information können Werbetreibende noch gezielter Werbung auf Smartphones ausspielen.

Seit Geräte wie Alexa und Echo im Wohnzimmer stehen, überrascht auch dieser Lauschangriff nicht wirklich. Tipp: Beim Herunterladen jeder App AGB lesen (*sigh*) oder aber zumindest den Zugriff auf das Mikrophon nicht gestatten (ist nur bei Video- und Sprach-Apps wirklich nötig).

 

Einkaufs-Apps greifen Ihre Daten ab

14. November: Große Einkaufsketten wie Edeka und Rossmann wollen auch etwas vom „Big-Data“-Kuchen abhaben. Deshalb haben sie Apps entwickelt, die dem Nutzer Sonderangebote, Rezept-Datenbanken, virtuelle Einkaufslisten und Bezahlmöglichkeiten versprechen – angeblich kostenlos!
Tatsächlich erfassen diese Apps bei jeder Nutzung Standortdaten. Und damit lassen sich Bewegungsprofile erstellen. Die Rossmann-App geht noch weiter und übermittelt persönliche Daten wie Name, Alter und Nutzungsdaten automatisch an Marktforschungs-Institute. Das ist jedenfalls das Ergebnis von Informatikern der Universität Hamburg, im Auftrag der NDR-Sendung „Markt“

Welchen Bedingungen die Nutzer bei den Datenschutzerklärungen zugestimmt haben, das ist wahrscheinlich den wenigsten bekannt. Mein Appell: Überlegen Sie grundsätzlich gut, welche Apps Sie wirklich benötigen. Die Hauptaufgabe der meisten kostenlosen Apps ist das Datensammeln – der Kunde bekommt (vielleicht) ein paar Mehrwert-Almosen. Damit ist die Supermarkt-App keine Serviceleistung für den Kunden, sondern eine für ihre Schöpfer.
PS.: Der größte Schnüffler im Einzelhandel ist übrigens Payback – auch ohne App.

 

Australische Regierung will Datenbank zur Gesichtserkennung öffnen

28. November: Die australische Regierung überlegt, privaten Dienstleistern – derzeit wird mit Telekommunikationsunternehmen verhandelt – Zugriff auf die nationale Gesichtserkennungsdatenbank zu geben, berichtet The Guardian. Interesse an den Daten haben bereits auch Banken und Versicherungen bekundet. Ursprünglich wurde die Datenbank zur Betrugsbekämpfung und die Verfolgung von Identitätsdiebstahl angelegt.

Über eine Schnittstelle können dann berechtigte Nutzer kostenpflichtig über den sogenannten „Face Verification Service“ (FVS)  eingereichte Fotos abgleichen.

The Guardian: Coalition could allow firms to buy access to facial recognition data

Dass sich Behörden blind auf Daten und Algorithmen von privaten Unternehmen, zum Beispiel beim Predictive-Policing, verlassen ist bereits unfassbar. Dass nun aber Regierungen Informationen über ihre Bürger aktiv vermarkten, obwohl es ihre Aufgabe ist das Volk und damit auch die Privatsphäre jedes Einzelnen zu beschützen, ist ein Skandal.

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