Geht gar nicht!

Der Schwulenradar

24. Juli 2018: Der Psychologe Michal Kosinski hat eine Technologie mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz entwickelt, mit der sich angeblich die sexuelle Orientierung von den Gesichtern ablesen lässt. Er ist auch davon überzeugt, dass 250 Facebook-Likes mehr über einen Menschen verraten, als dessen Ehepartner oder beste Freunde wissen.
Der Stanford Assistenzprofessor geht noch einen Schritt weiter und behauptet, er könne mit seinen Methoden auch vorhersagen, ob es sich um einen gewalttätigen oder pädophilen Menschen handele.

Der Wissenschaftler kam nach den US-Wahlen im Zusammenhang mit Cambridge Analytica in den Ruf, dass er mit Hilfe seiner Methode Präsident Trump zum Sieg verhalf.

Die Presse: Kosinski entwickelt Schwulenradar

Kosinski rechtfertigt sich damit, dass er mit seinem Schwulenradar nur zeigen wolle, was möglich ist. Ich bin überzeugt, dass alles, was technisch machbar ist, auch irgendwann eingesetzt wird. Und es gibt Länder, in denen Homosexualität mit schweren Strafen geahndet wird. Interesse am Schwulenradar?

 

Vom Friedenssymbol zum Spion

13. Juli 2018: Wenn es um die Überwachung der Bürger geht, zeigt sich China nicht zimperlich. 20 chinesische Behörden testen derzeit Drohnen, die wie Tauben aussehen, wie Tauben fliegen und sich ähnlich wie diese Vögel bewegen. Überwacht wird damit die uigurische Bevölkerung im Nordwesten Chinas, die wegen ihrer Autonomiebestrebungen besonders im Fokus der chinesischen Regierung steht.

Die Drohnen sind mit HD-Kamera, GPS, Steuersystem und Satellitenverbindung ausgestattet und fliegen bis zu 40 km/h.

futurezone.de: In China fliegen nun Drohnen, die wie Tauben aussehen 

Wenn der Staat ein Feind seiner Bürger ist, müssen Menschen aufgrund der heutigen technischen Möglichkeiten mit lückenloser Überwachung rechnen – ein Leben in einer dystopischen Gesellschaft. Früher wurden von Geheimdiensten übrigens auch schon verkabelte Katzen und verwanzte Tauben zu Spionagezwecken eingesetzt – echte.

 

Todesurteil durch Algorithmen

05. Juli 2018 (aktualisiert): Wie viel kostet ein Patient? Wie hoch ist seine Lebenserwartung? Diese Fragen will ein US-Unternehmen mit seinem Computerprogramm „Aspire Health“ zukünftig beantworten. Ziel ist es, Krankheitsbilder auf der Basis gesammelter Daten auszuwerten und mit Hilfe der Ergebnisse vermeintlich unnötige – will heißen: teure – Therapien bei Schwerkranken zu vermeiden. Das Startup hinter Aspire Health, das von Google mitfinanziert wird, legt seine Algorithmen nicht offen. Betriebsgeheimnis.

Tagesschau: Todes-Algorithmus

Und Google geht noch weiter: In der vergangenen Woche teilte das Unternehmen via Pressemitteilung mit, dass ein neuer Algorithmus das Sterberisiko von Patienten im Krankenhaus ermitteln und so deren Tod zuverlässig vorhersagen kann. Das neu entwickelte Künstliche-Intelligenz-Tool, kann berechnen, ob ein ins Krankenhaus eingelieferter Patient innerhalb der nächsten 24 Stunden stirbt. Gefüttert wird das Tool aus Daten verschiedener Krankenhäuser, Patientenakten und Arztberichten.

Futurezone: Googles künstliche Intelligenz sagt den Tod verher

Worauf läuft diese Entwicklung hinaus? Daten, die legal und vielleicht auch illegal gesammelt wurden, beziffern den (Rest-)Wert eines Menschen. Und Software-Algorithmen entscheiden über Leben und Tod. Für mich der manifestierte Alptraum: Wir dürfen den Wert eines Menschenlebens nicht von mathematischen Formeln und reinen Effizienz-Gedanken bestimmen lassen. Damit stellt man Algorithmen über die Professionalität, Humanität und Intuition von Ärzten, die sich dem Genfer Ärztegelöbnis verpflichtet haben.

 

YouTube Premium: Ohne Werbung, mit Tracking

28. Juni 2018: YouTube, die zu Google gehörende Videoplattform, ist jetzt mit einem neuen Bezahldienst auf dem Markt: YouTube Premium. Mit Premium erhalten die Abonnenten werbefreie Inhalte und exklusives Videomaterial für 11.99 € im Monat (Achtung: das Abo über Apple Store ist teurer).

Zeit: YouTube plant Premium-Abos für Kanäle
Datenschutzbedingungen von Google

Prinzipiell finde ich Bezahlmodelle richtig, da vermeintlich kostenlose Produkte nicht umsonst sind. In der Regel zahlen wir mit unseren Daten. Und YouTube verzichtet zwar in diesem Modell auf Werbeanzeigen, aber unsere Daten werden sie weiterhin abgreifen. Möglicherweise wiegt sich der ein oder andere Abonnent in dem Glauben, dass er ohne Werbung nicht mehr getrackt wird.
Unsere Daten werden mit ohne oder Premium – von Google gesammelt, verarbeitet und für den Konzern zu Gold umgewandelt – sicher einträglicher als die Abo-Einnahmen.

 

Datensteuer – Ungeheuer

13. Juni 2018: Angela Merkel kam kürzlich mit dem Vorschlag, eine Datensteuer einzuführen. Die Bundeskanzlerin fordert, dass Daten einen Preis bekommen müssen, damit ihr Wert auch in den Unternehmensbilanzen auftaucht. „Die Bepreisung von Daten, besonders die der Konsumenten, ist aus meiner Sicht das zentrale Gerechtigkeitsproblem der Zukunft“, sagte Merkel auf der Konferenz Global Solutions Summit in Berlin.

Zeit: Angela Merkel fordert Besteuerung von Daten

Von einer staatlichen Besteuerung der Nutzerdaten profitieren wir Menschen nicht. Und schlimmer: Es geht am eigentlich Kern des Problems – nämlich dem kostenlosen Missbrauch unserer digitalen Existenz durch Konzerne – vorbei. Wir müssen entscheiden dürfen, wem wir was zu welchem Preis geben. Mehr noch: Wir müssen die Hoheit über unser digitales Alter Ego zurückgewinnen.

 

Leben in Amazon

22. Mai 2018: In adligen Haushalten gab es früher einen Butler. Dezent erledigt er im Hintergrund Aufgaben seines Dienstherren (oder seiner Dienstdame) – und schwieg. 

Diese Butlerdienste übernimmt jetzt das Smarthome: Kühlschrankauffüllen über den Dash-Button, Garagentür öffnen oder Licht dimmen per Alexa-Befehl, Reinigungskraft über Amazon Home Services organisieren und der Echo-Wecker übernimmt das Wecken. 

Amazon und der Fertighaus-Hersteller Lennar haben 15 voll vernetzte Modell-Häuser in Amerika eröffnet. Es steht nichts mehr im Wege, das eigene Haus zum Smarthome umzurüsten.

t3n:  Das Amazon-Haus ist da!

Das ist ja so etwas von praktisch: Wer möchte, kann künftig bei Amazon wohnen – inklusive Rund-um-die-Uhr-Betreuung vom Lieblingshändler. Privatsphäre ist ohnehin überbewertet, denn ob der digitale Butler schweigt …? #Ironie

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