Warum ich gerne meine Daten an AlgorithmWatch spende

Datenspende an AlgorithmWatch

Algorithmen haben die US-Wahlen manipuliert und werden auch bei uns die Bundestagswahlen im Herbst beeinflussen. Zu vielschichtig sind die Möglichkeiten in unserer digital vernetzten Welt, zu groß ist der Einfluss sozialer Netzwerke und Datenkonzerne auf die Meinungsbildung vieler Menschen.

Deshalb war ich begeistert, als ich Anfang Juli über das Projekt „Datenspende“ las. AlgorithmWatch, eine nicht-kommerzielle Initiative mit dem Ziel, algorithmische Entscheidungsfindung zu betrachten und deren Einfluss auf unser Leben zu bewerten, hat mit fünf Landesmedienanstalten ein Crowdsourcing-Projekt gestartet. Gemeinsam wollen sie herausfinden, ob Google die Ergebnisse zu politischen Suchbegriffen personalisiert. Die Fragestellung lautet: Bekommt mein Nachbar das gleiche Ergebnis angezeigt wie ich, wenn er bei Google beispielsweise zu „Angela Merkel und Flüchtlingspolitik“ recherchiert?

Meine Begeisterung rührt daher, dass ich es für wichtig halte, dass Computeralgorithmen einer öffentlichen und rechtlichen Überwachung unterliegen, sobald diese direkt oder indirekt unser Leben beeinflussen können. Datenkonzerne wie Alphabet (Google) und Facebook müssen ihr Schaffen für uns Nutzer transparenter machen. Tun sie aber bislang nicht, da gesetzliche Vorschriften fehlen, und deshalb versucht AlgorithmWatch eine gewisse Transparenz am Beispiel der Bundestagswahl zu schaffen.

Freiwillige für Datenspende gesucht

Die Projektverantwortlichen suchen bis Ende September Freiwillige, die sich ein Plugin für den Chrome- oder den Firefox-Browser installieren. Ich habe das Plugin in Firefox aktiviert. Hinweis am Rande: Es kommt bei der Installation die Meldung, dass Mozilla, Hersteller von Firefox, das Plugin (noch) nicht zugelassen hat (siehe Screen).

Was macht das Plugin?

Mit der Erweiterung erlaube ich AlgorithmWatch bis zu sechs Mal am Tag (alle 4 Stunden) Suchanfragen über meinen Browser an Google zu schicken. Dies geschieht nur, wenn mein Rechner eingeschaltet und Firefox geöffnet ist.

Wenn der Suchvorgang startet, geht ein kleines Fenster auf. Dieses schließt sich nach kurzer Zeit wieder. Das alles passiert ohne mein Zutun.

Auf der Liste der Suchbegriffe stehen Angela Merkel, Martin Schulz, Christian Lindner, Katrin Göring-Eckardt, Cem Özdemir, Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch, Alice Weidel, Alexander Gauland, CDU, CSU, SPD, FDP, Bündnis90/Die Grünen, Die Linke sowie die AfD.

Welche Daten werden verwendet?

Die Ergebnisse der ersten Trefferseiten gehen an AlgorithmWatch.

Nach Angaben von AlgorithmWatch wird die Identifikationsnummer des Plugins (ID), außerdem anhand der IP-Adresse der ungefähre Standort des Computers (zum Beispiel Paderborn und die Postleitzahl) gespeichert – ohne die IP selbst. Darüber hinaus registriert das Plugin, ob man während der Suchanfrage bei Google eingeloggt war (nicht jedoch den Benutzernamen) plus welche Sprache der Browser verwendet. Schließlich speichert AlgorithmWatch pro Suchbegriff die erste Ergebnisliste (Search Engine Result Page, SERP) der klassischen Google Suche sowie von Google News, das heißt bei 16 Suchbegriffen sind das pro Suchlauf 32 Ergebnisseiten mit insgesamt gut 600 Links.

Was geschieht mit den Daten?

Die Ergebnisse der Erhebung werden laufend veröffentlicht. Die Projektseite ist bei Github für jeden einsehbar.
Am 30. September, eine Woche nach der Bundestagswahl, schaltet das Plugin seine Suchaktivitäten automatisch ab. Es kann/muss dann manuell deinstalliert werden.

Natürlich, je mehr Menschen das Projekt unterstützen, desto besser werden die Ergebnisse. Hier geht’s zum Projekt.

Bei Veröffentlichung dieses Beitrags spendeten bereits 3073 Teilnehmer 1.130.870 Suchergebnisse. Ich bin sehr auf die Ergebnisse im Herbst gespannt.

 

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