Fünf Fragen an … Professor Gerhard Heyer

Professor Heyer ist mitverantwortlich für den Datenschutzscanner
Professor Heyer ist mitverantwortlich für den Datenschutzscanner

Gerhard Heyer ist Professor für automatische Sprachverarbeitung am Institut für Informatik der Universität Leipzig. Zusammen mit einem Forschungskonsortium war er an der Entwicklung eines Datenschutzscanners beteiligt. Der Datenschutzscanner, derzeit in der Betaphase, überprüft mithilfe von Algorithmen und künstlicher Intelligenz die Datenschutzerklärungen von Apps.

Wir haben mit Professor Heyer über sein Verständnis von Datenschutz gesprochen:

Wir sind im Jahr 2018 – wie bewegen Sie sich in der digitalen Welt?

Ich gehe selber restriktiv mit meinen elektronischen Geräten um. Ich schalte die Datenübertragung aus, wenn ich unterwegs bin. Ich verhalte mich so, – im Gegensatz zu meinen erwachsenen Kindern oder meinen Studenten – dass ich möglichst wenig getrackt werde. Die jüngere Generation geht ziemlich sorglos mit Tracking um. Das unterscheidet sie sicher von den Leuten, die analog großgeworden sind.

Das Internet gibt es seit mehr als 25 Jahren – was war Ihr persönlicher „Meilenstein“?

So ein Schlüsselerlebnis hatte ich nicht. Was ich wirklich als einen großen Gewinn empfand, war das Online-Banking. Ich war damals Unternehmer in Nürnberg, und meine damalige Hausbank war eines der ersten Finanzhäuser, die diesen Online-Service anbot. Mit dieser Funktion entfiel plötzlich das lästige Formularausfüllen und ich hatte die Kontostände ständig im Blick.

Von wem sollte ein Impuls kommen, um der Datensammelwut großer Unternehmen entgegenzuwirken?

Wir erleben im Moment ein zentralistisches Paradigma. Wer heute die zentralen Knoten verwaltet, hat das Wissen über den Datenverkehr und damit die Macht. Wie Internet-Pionier August-Wilhelm Scheer sagte: Man muss der erste sein, besonders groß, und die anderen aus dem Weg räumen. Genau das ist der Stand der großen Datenkonzerne.

Ich glaube aber, dass die Technik sich in den nächsten 20 Jahren stark verändern wird. Die große Zeit der Datenknotenpunkte ist vorbei. Derzeit wird mein Bewegungsprofil von Frankfurt über den Atlantik nach Kalifornien geschickt. Mit künstlicher Intelligenz und selbstfahrenden Autos fallen zukünftig so viele Daten an, dass dezentrale Strukturen unumgänglich sind. Solche Datenmassen kann man nicht mehr übertragen, das macht technologisch keinen Sinn. Blockchains und Peer-to-Peer-Strukturen werden die digitale Welt verändern.

Worin sehen Sie die Herausforderungen für die nachfolgende Generation?

Ich sehe die Herausforderung darin, mit Daten kreativer umzugehen. Derzeit liegt der Fokus darauf, Daten zu schützen, insbesondere persönliche Daten. Aber Daten haben auch einen Wert. Sie müssen insbesondere für den einzelnen Nutzer einen Mehrwert bekommen, mit dem er zum Beispiel Dienstleistungen bezahlen kann.

Wie schützen Sie sich, um Ihre Privatsphäre zu wahren?

Ich nutze mein Smartphone mit verschiedenen Apps. Geodaten schalte ich nur an, wenn ich Orientierung brauche. Das Smart-Driver-Programm meiner Versicherung teile ich hingegen, da ich davon überzeugt bin, dass beide Seiten etwas davon haben. Ich übergebe meiner Versicherung die Fahrdaten, diese reflektiert mein Fahrverhalten und ich bekomme einen vergünstigten Tarif. Solange ich weiß, dass die Daten nicht unkontrolliert an Dritte weitergegeben werden, hat dieser Service einen Mehrwert für mich. WhatsApp nutze ich dagegen nicht, innerhalb der Familie kommunizieren wir mit Signal oder Telegram.

Der Datenschutz-Scanner kann über diesen Link getestet werden. 

Das Interview führte Andrea Rickert

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