Kariesmonster bekämpfen, Datensammelmonster füttern

Playbrush - die elektronische Kinderzahnbürste

Zähnputzen digital- Playbrush @Dot.ti/photocase.de
Zähnputzen digital- Playbrush @Dot.ti/photocase.de

Hast du deine Zähne schon geputzt? Diese lästige Dauerfrage sorgt in den meisten Familien für genervte Blicke und Ärger. Glauben Sie mir, ich als Vater von vier Kindern habe diese Diskussion schon unzählige Male geführt. Und vor dem Hintergrund dieser Lebenserfahrung ist mir kürzlich die Playbrush unter gekommen. Playbrush ist das Versprechen, Kinder im Jahr 2017 zum freiwilligen Zähneputzen zu animieren. Klingt doch gut, oder?

Wie funktioniert Playbrush?

Playbrush ist ein kleiner elektronischer Aufsatz für Kinderzahnbürsten. Die Bürste wird in diesen Aufsatz gesteckt, ein Smartphone neben das Waschbecken platziert und mit Bluetooth-Übertragung und einer Playbrush-App „Utoothia“ verwandeln sich die Putzbewegungen des Kindes in animierte Spielzüge. Diese kann man auf dem Display verfolgen. Die Zahnbürste steuert somit das Smartphone-Spiel. Ein Algorithmus von Playbrush erkennt dabei, ob alle Zähne sorgsam geputzt wurden.

Ziel ist, kleine Plaque-Monster auf dem Display zu bekämpfen. Je besser das Zahnputzverhalten, desto mehr Punkte und höhere Levels werden erreicht. Der Aufsatz kostet etwa 30 €, die dazugehörigen Apps sind kostenlos.

Eigentlich eine Investition, die sich zu lohnen scheint. Das Kind widmet sich mit Spaß der wichtigen Mundhygiene; tägliche Streitigkeiten um das Zähneputzen entfallen.

Jeder Zahnputzvorgang wird gespeichert und – natürlich! – weitergegeben

Als chronisch paranoider Verfechter der digitalen Privatsphäre wittere ich bei diesem tollen Angebot natürlich gleich irgendwelche Datenkrakenhintertürchen und sehe mich beim sofortigen Blick auf die Datenschutzbestimmungen des Herstellers leider wieder einmal bestätigt:

„Im Rahmen der Registrierung eines Nutzers auf der Playbrush-Website oder einer mobilen Playbrush-Anwendung werden folgende personenbezogene Daten vom Nutzer an Playbrush UK übermittelt: Vor- und Nachname, Email-adresse, Telefonnummer.

Darüber hinaus erhebt Playbrush UK nach Registrierung eines Nutzers folgende weitere personenbezogene Daten, die dem jeweiligen registrierten Nutzer zuordenbar sind: Hardware Identifikationsnummer des Playbrush Zahnbürsten-Aufsatzes.

Darüber hinaus erhebt Playbrush UK bei jeder Nutzung einer mobilen Playbrush-Anwendung, unabhängig davon ob der Nutzer registriert ist oder nicht, nachfolgende Daten:

  • Dauer eines jeden Zahnputzvorganges;
  • Zeitpunkt und Häufigkeit der Zahnputzvorgänge;
  • Zahnputzmethode und Zahnputzverhalten durch Ermittlung von Putzrichtung und Putzgeschwindigkeit“

Hygiene-Sünden sind schon mal gespeichert

Tja, dann fragt sich doch, ob wir unseren Kindern etwas Gutes tun, wenn wir die Einblicke ins Putzverhalten ungefiltert an Datensammelmonster Playbrush UK weitergeben. Vielleicht ist in fünf Jahren der Zahnarzt an den Daten interessiert oder die Krankenkassen. Gespeichert sind die kleinen oder auch großen Hygienesünden zumindest schon einmal. Da bekommt das Wort „Vorsorge“ gleich eine völlig andere Bedeutung und unsere Sprösslinge steigen vielleicht zum teuren Zahnputzverweigerertarif ins Gesundheitssystem ein, wenn die Technik doch nicht so gut zum Schrubben motiviert hat, wie gehofft. Dann lieber altmodisch; mir würde im Tagesablauf sonst ohnehin was fehlen.

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