Was sind Bitcoins?

Was sind Bitcoins? ©ulifunke.de/bitcoin.de
Was sind Bitcoins? ©ulifunke.de/bitcoin.de

Ich habe bereits viele Artikel über Bitcoins gelesen, bin aber oft aufgrund theoretischer Ausschweifungen früher oder später eingeschlafen. Nicht so bei diesem!

Anbei ein Ausschnitt von „Bitcoin: Eine Währung ohne Grenzen“ von Imogen Goodman. Aus dem Englischen von Christiane Starke und Elke Koepping. Mit freundlicher Genehmigung von „Das Netz. Ein Jahresrückblick!“

Die Peer-to-Peer-Revolution

Als in den 1990er Jahren die Idee einer digitalen Währung erstmals in Mitteilungen auf Mailinglisten von Kryptographen auftauchte, taten sich zunächst zwei große technische Hürden auf: Erstens, wie würden sich unvermeidliche Versuche einer betrügerischen Nachahmung der digitalen Wertmarken vermeiden lassen; zweitens, wie wäre es möglich, die Geldbewegungen exakt festzuhalten?

Um beide Punkte zu beantworten, setzte der Bitcoin-Schöpfer Satoshi Nakamoto auf die „Peer-to-Peer“-Technologie. Der Hauptanreiz von Peer-to-Peer bestand darin, dass es keine Notwendigkeit für eine Zentralbehörde gäbe – mithin kein Äquivalent zu einer Bankbeteiligung –, sondern vielmehr ein Netz von Bitcoin-Nutzern, die zugleich als Inhaber der Währung und Hauptbuchhalter für sie tätig würden. Diese „Hauptbuch“-Gruppe wurde als Blockchain bekannt.

Was Bitcoins sind!

Anstelle der Verwaltung von Daten durch einen Dritten nehmen die Aufzeichnungen von Bitcoin-Transaktionen die Form von digitalen Nodes (Knoten) an, die von jedem Mitglied des Ökosystems verfolgt werden. Das ist so, als verfüge man über individuell GPS-markiertes Geld auf einer großen, vielfach verknüpften Landkarte. Die Blockchain verzeichnet die Bitcoins, die auf der Speicherstelle A (mein Wallet) existieren und verfolgt jeden, der auf sich zu Speicherstelle B (dein Wallet) bewegt und umgekehrt.

Doppelausgabe als Lösung

„Das heißt, wenn du versuchst, eine Ausgabe doppelt zu tätigen und die gleichen Bitcoins zum gleichen Zeitpunkt an zwei verschiedene Personen vergibst, bekommt das jeder mit, und die eine oder die andere dieser Transaktionen erhält Gültigkeit und die verbleibende wird einfach ignoriert“, erklärt Gavin Andreson, einer von Bitcoins ersten führenden Entwicklern. „Das Problem der Doppelausgabe zu lösen, erwies sich als der entscheidende technische Durchbruch, der Bitcoin ermöglichte.“

Es funktioniert ein wenig wie das Peer-to-Peer-Filesharing, bei dem es auch keine zentrale Datenbank für die Millionen von Filmen oder TV-Programmen gibt, sondern nur ein Netzwerk aus einzelnen Dateibesitzern. Sie führen direkt Transaktionen mit Gleichgesinnten durch, laden die Dateien anderer Nutzer herunter oder ihre eigenen Dateien hoch. Doch im Gegensatz zu Musikdateien können Bitcoins nicht dupliziert werden, weil die gleiche Münze zum gleichen Zeitpunkt nicht an mehr als einer Speicherstelle des Speicherplans existieren kann.

„Bitcoin beantwortet auf magische Weise eine weitere Frage“, sagt Peter Vessenes, Leiter der Bitcoin Foundation. „Kann eine Gruppe von Leuten, die sich gegenseitig nicht vertrauen, zu einer Übereinstimmung gelangen, wenn etwas so präzise ausgeführt wird, dass es zum Transferieren von Werten genutzt werden kann? Menschen, die sich nicht kennen und sich niemals treffen werden, ausschließlich durch den Austausch von Mitteilungen. Die unmittelbare Antwort hierauf lautet: auf keinen Fall. Das ist unglaublich genial.“

Festlegung einer Obergrenze für Bitcoins

Bitcoins werden knapp. Es sind zur Zeit fast 16 Millionen Einheiten in Umlauf, während alle zehn Minuten 25 neue erzeugt oder „gewonnen“ werden. Wie bei gängigen Landeswährungen üblich, produziert Bitcoin regelmäßig neue Münzen, jedoch gibt es im Gegensatz zu den üblichen Währungen keine staatlich gelenkte quantitative Lockerung, keine groß angelegten Gelddruckinitiativen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Stattdessen suchen engagierte Bitcoin-Miner mithilfe komplizierter mathematischer Software nach neuen Bitcoin-Blöcken. Um zu verhindern, dass zu viele digitale Münzen auf den Markt strömen, wenn neue Miner dazu kommen, müssen komplexe mathematische Probleme unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade gelöst werden. Die Lösung der Fragestellungen dauert genau zehn Minuten, wobei die Miner sowohl eine Transaktionsgebühr als auch einen Anteil an den neuen Münzen als Entgelt erhalten – derzeit 25.

Bitcoin-Produktion endet 2040

Die verfügbaren „Belohnungen“ für die Miner werden jedes Mal halbiert, wenn 210.000 neue Blocks entdeckt werden. Das bedeutet, dass die Bitcoin-Produktion effektiv im Jahr 2040 enden wird, wenn sich insgesamt 21 Millionen Coins in Umlauf befinden. Gegenwärtig stehen wir bei 72 Prozent auf dem Weg dorthin.

Sobald alle Bitcoins verteilt worden sind, werden die Transaktionen auf der Blockchain fortgesetzt, wobei die Miner das Angebot erhalten, für Transaktionsgebühren tätig zu werden. Die Entwickler sind der Meinung, dass der Wert von Bitcoins durch die begrenzte Zahl von Münzen exponentiell steigt, wodurch erleichterte Transaktionen (mit einer Gebühr von rund 1,5 Prozent) lukrativer werden.

Das Mining konnte früher einmal relativ einfach mit einem normalen Computer durchgeführt werden. Es hat sich jedoch schnell zu einem wesentlich rechenintensiveren Prozess entwickelt, der Spezialgeräte und die konstante Überwachung von Temperaturen erforderlich macht. Jason Gantt, ein Frühnutzer von Bitcoin, der mit seinem Vater einen Mining-Betrieb gegründet hat, verglich auf Coindesk, einem Online-Magazin über Bitcoin und digitale Währungen, den Mining-Prozess mit dem Babysitten – mit einigen Fehlbedienungen in den ersten Monaten infolge von Überhitzung. Die Mehrheit der ersten Miner und Käufer von Bitcoin interessierte sich mehr für das intellektuelle und politische Potenzial als für den Geldwert. Jetzt gibt es natürlich einen Zusatznutzen: Bitcoins können zunehmend ausgegeben werden.

Weg in die Mainstream-Verbraucherkultur

Anfangs sah es so aus, als würde Bitcoin genau wie sein anonymer Schöpfer permanent in der Schattenwelt des Deep Webs feststecken und nur von gesichtslosen Hacktivisten und selbsternannten Cyberpunks genutzt werden. Die Währung bewegte sich in den letzten Jahren fast unmerklich aus ihrem ursprünglichen inneren Kreis auf den breiteren Mainstream zu.

Bitcoin-Geldautomaten brachten vor Kurzem die digitale Währung in Großstädten von London bis Los Angeles auf die Straße, während konventionelle Casinos und Buchmacher dem Vorbild ihrer Pendants im Internet folgten und die Währung für das Glücksspiel akzeptierten. Hunderte von Online-Einzelhändlern und Unternehmen nehmen heute Bitcoin an, angefangen von Reiseveranstaltern bis hin zu Crowdfunding-Plattformen. Im Juni 2016 erhielt Bitcoin einen weiteren Schub nach vorn, nachdem Paypal einer Partnerschaft mit Coinbase zugestimmt hatte – einem Bitcoin-Wallet und virtuellen Wechselhändler – um Paypal-Kunden die Auszahlung von Bitcoins über ihre Konten zu ermöglichen.
Hier der gesamte Artikel.

WELTSPIEGEL: Bitcoins – das Geld der Zukunft?
Tagesspiegel: Wie Blockchain Berlin erobert

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