Messenger-Schnittstelle auf, Datenschutz runter

WhatsApp-Nutzer können zukünftig mit Verbrauchern anderer Messenger-Dienste wie beispielsweise Threema oder Signal kommunizieren. Jedenfalls wenn es nach Katarina Barley geht. Die Bundesjustizministerin möchte auf europäischer Ebene gesetzlich dazu zwingen, sich für andere Messenger zu öffnen. Damit könnte das Monopol von WhatsApp gebrochen werden und die Mutter Facebook müsste die Datenschutzstandards verbessern, argumentiert Barley.

Der Gedanke ist auf den ersten Blick nicht schlecht: Wenn der Messenger offen wäre, dann könnte jeder Nutzer weiterhin die Kommunikations-App verwenden, die er bevorzugt. Das würde dem häufig entstehenden Gruppenzwang entgegen wirken. Denn jeder von uns kennt das: Der Sportverein, die alten Kollegen, die Eltern-Lehrer-Abstimmung, die Gruppe „Lustige Stammtischbrüder“ – alle erledigen die Kommunikation über WhatsApp, und dann heißt es für alle Nutzer anderer Produkte: Friss oder stirb!

Technisch gesehen wäre die Öffnung von WhatsApp für andere Messenger über entsprechende Schnittstellen kein großes Problem. Diese Hürde kann man getrost vernachlässigen.

Datenschutzniveau sinkt

Allerdings wird das Datenschutzniveau damit nicht steigen, sondern sinken – nämlich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Datenschutz verbessert man nicht, indem man Schnittstellen zu Anbietern erzwingt, die für ihre unterirdischen Sicherheitsstandards berüchtigt und als Datenkraken bekannt sind. Warum sollte das einen US-amerikanischen Konzern dazu bringen, etwas zu ändern? Und eine Kette ist bekanntlich immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Der Messenger-Verbund hätte in seiner Gesamtheit eine Sicherheit, die auf dem Niveau der Lösungen mit den geringsten Vorkehrungen liegt. Und das sind WhatsApp und der Facebook Messenger.

Monopolstellung von WhatsApp wird gestärkt

Auch würde die Dominanz von Facebook damit nicht geschwächt. Ganz im Gegenteil: Können WhatsApp-Nutzer künftig mit denen anderer Messenger kommunizieren, haben sie einen Grund weniger, sich von diesem Datenkraken zu verabschieden.

Mit einer Öffnung der Schnittstelle zu anderen Messengern wird Facebook noch mehr private und vertrauliche Inhalte erhalten, sogar von den Verbrauchern, die sich bisher aus Datenschutzgründen bewusst gegen eine Installation von WhatsApp entschieden haben.

Das kann wohl nicht das Ziel von Frau Barley sein?

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5 Kommentare

  1. Ein wichtiger Aspekt wird hier verkannt: Viele Kunden sind bei WhatsApp nur dehalb, weil alle Freunde dort auch sind. Deshalb wechseln sie nicht zu sicheren Alernativen wie Threema. Mit einer Interoperabilität verliert dieserNetzwerkeffekt an Bedeutung und andere Auswahlkriterien (z.B. Datenschutz) werden wichtiger.

    1. Stimmt, aber die Öffnung der verschiedenen Schnittstellen untereinander wäre mehr oder weniger omnidirektional – d.h. viele kleinere Anbieter von Kommunikationslösungen wären in diesem offenen „Ökosystem“ gezwungen IHREN Standard zu reduzieren um überhaupt einen Datenverkehr mit WhatsApp zu ermöglichen. Somit wäre es nicht mehr von Bedeutung, wenn sich einige weitere User von WhatsApp abwenden. Im Netto-Ergebnis wäre das Datenschutzniveau gesunken.

  2. Ich kann der Argumentation folgen, alles richtig.
    Aber es gibt bei der Schnittstellen-Implementierung ein paar Möglichkeiten, das Problem des „kleinsten gemeinsammen Nenners“ zu optimieren:
    – wenn ich als Nutzer eines sicheren Messaging-Dienstes, bei der Verbindungs-Anfrage eines anderen Dienstes, angezeigt bekomme, von welchem Dienst dieser kommt, kann ich die Verbindung immer noch ablehnen. So kann ich selbst entscheiden, mit welchem unsicheren Dienst ich mich verbinden möchte.
    – ausserdem sollte bei jeder ankommenden Message im Usernamen der genutzte Dienst im Namen des Kommunikationspartners angezeigt werden
    – ich würde mir weiterhin wünschen, dass es ein unabhängiges Institut gibt (z.B. BSI oder Datenschutzzentren), das alle social-Media Dienste bzgl. Datenschutz und Privatheit der Daten bewertet. Diese Bewertung sollte auf einem klar definierten Kriterienkatalog basieren und als Ergebnis eine fest definierte Note ergeben. Diese Note sollte dann bei einer Verbindungsanfrage mit angezeigt werden.
    Mit diesen Featuren würde ich trutz der Bendenken die Forderung von Katarina Barley unterstützen. Ich denke das ist die einzige Möglichkeit das Monopol von Facebook zu brechen.

  3. Natürlich kann man Benutzer warnen, dass ihre Daten jetzt einen geschützen Bereich verlassen, und ich kann auch dem Argument folgen, dass der „WhatsApp-Zwang“ mit so einer Schnittstelle für den einen oder anderen Benutzer abnehmen würde. Eine Festigung der Stellung von Facebook sehe ich dennoch, und zwar aus folgenden Gründen:
    1. Sind wir realistisch: Vermutlich 90% aller Nutzer alternativer Dienste würden sich doch von ihren Freunden und Angehörigen weichklopfen lassen, wenn es hieße: Bitte, bitte schick mir doch … Die Hürde für eine spontane „Datenschutzdummheit“ liegt einfach niedriger. Und nichts ist vertriebsstärker als quengelnde Familienmitglieder.
    2. Wie wir wissen, ist es der Inhalt der Nachrichten, der für Datenkraken von Wert ist. Facebook würde also künftig noch mehr über alle Menschen erfahren, noch mehr Daten verknüpfen, noch mehr Potential abgreifen – nun auch von denen, die sich dem bislang verweigerten.
    3. Spam und Werbung könnte nunmehr von Facebook auch auf andere Plattformen übergreifen. Die Beeinflussungsmöglichkeiten von Facebook würden gestärkt.
    4. Die Positionen derjenigen, die versuchen ihre Freunde und Angehörigen zur Nutzung alternativer Dienste zu bewegen, werden geschwächt.
    5. Und letztlich: Jetzt kann ich Facebook als konsequentes Nicht-Mitglied möglicherweise datenschutzrechtlicher Übergriffe durch Tracking und Belauschen belangen. Ich habe keinen Vertrag mit diesem Konzern und keine AGB abgenickt. Gibt es diese Messenger-Schnittstelle, dann gibt es offiziell bald auch keine Facebook-Nichtnutzer mehr, oder eine Abgrenzung wird zumindest sehr erschwert.

  4. Hallo Zusammen,
    ich bin kein IT-Experte, finde die Idee (und mehr ist es ja im Grunde nicht) aber lobenswert. Gut vorstellen könnte ich mir, dass man über einen alternativen Dienst (z.B. SMS oder Email) eine Einladung verschickt und nur so die Kommunikation zwischen den Messengern funktioniert. Ich habe Fr. Barley nicht so verstanden, dass sie grundsätzlich ohne Genehmingung den Datenverkehr zwischen den Messengern freigeben will.

    Praktisches Beispiel: Ich habe einen einzigen Kontakt, für den WhatsApp Sinn machen würde. Alle anderen erreiche ich über anderen Kommunikationsplattformen. Könnte ich jetzt nur diesen einen WhatsAppKontakt zb. bei Threema einbinden wäre mir geholfen.

    Momentan kann man ja noch nicht mal WhatsApp installieren und nur einen Kontakt dort führen. Ich kann nur das ganze Telefonbuch hochladen und alle anderen würden in ihren Telefonbüchern auch sehen, dass ich bei WhatsApp bin.

    viele Grüße

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