Verräter Smartphone – WLAN-Tracking

WLAN-Tracking ©BeneA / photocase.de
WLAN-Tracking ©BeneA / photocase.de

Sie sind unterwegs und natürlich haben Sie immer Ihr Smartphone dabei. Ihr elektronischer Begleiter liegt allerdings nicht still in Ihrer Tasche, selbst wenn Sie den Standortzugriff in den Einstellungen deaktiviert haben. Nein, er ist permanent aktiv, denn er versucht ständig Verbindung zu bekannten WLAN-Stationen aufzunehmen.

Jetzt gibt es zunehmend Hotspots, die sehr gerne mit Ihrem Gerät „kommunizieren“: Supermärkte, Kaufhäuser, Kongresszentren und auch das Stadtmarketing wittern damit Geschäfte. Denn es ist der Traum aller Vertriebs- und Marketingleute, persönliche Daten potentieller Kunden zu erhalten, um diese verfolgen und verführen zu können. Alles Notwendige liefert das WLAN-Tracking.

Wie WLAN-Tracking funktioniert

Jeder Netzwerkadapter – ein Smartphone besitzt meistens sogar mehrere davon – verfügt über eine eindeutige Identifikationsnummer, die Media-Access-Control- (MAC-) oder auch Hardware-Adresse. Sie wird weltweit für jede Komponente nur einmal vergeben, ist also eindeutig zuzuordnen und setzt sich aus sechs zweistelligen hexadezimalen Zahlen – bestehend aus den Ziffern 0 bis 9 und Buchstaben von A bis F – zusammen. Das kann beispielsweise so aussehen: 00:80:41:ae:fd:7e

Wenn WLAN bei Ihrem Gerät aktiviert ist, versucht dieses ununterbrochen sich mit einem bekannten Netzwerk (zum Beispiel Ihrem Heimnetz) zu verbinden und sendet dabei ständig die MAC-Adresse seines WLAN-Adapters. Egal, ob eine Verbindung zu einem „befreundeten“ Router zustande kommt oder nicht – diese Funkanfrage kann erfasst und dokumentiert werden.

Wie sich Städte des Offline-Trackings bedienen

Geschäftsleute möchten natürlich Kundenströme genau erfassen und auswerten. Dazu werden an verschiedenen Stellen in und vor Kaufhäusern oder belebten Orten in Städten WLAN-Scanner installiert, um jedes Smartphone mit aktivierter Netzwerkfunktion beim Vorbeigehen zu registrieren. Die ansässigen Händler erfahren dadurch, wie lange sich Kunden vor Schaufenstern und Regalen aufhalten und welche Wege sie gehen. Das erlaubt die Erstellung von Bewegungsprofilen und – sofern ein Kunde die entsprechende App des Geschäfts installiert hat – das gezielte Aufspielen von Werbung auf das Smartphone.

In England sind diese Scanner schon in vielen Kaufhäusern im Einsatz. In New York hat Sidewalk-Labs (Google-Tochter), 7000 ausrangierte Telefonzellen zu WLAN-Hotspots aufgerüstet, um Passanten zu tracken. Und auch in Deutschland gab es dazu Bestrebungen des Stadtmarketings, zum Beispiel in Schleswig-Holstein in den Städten Eckernförde und Pinneberg.

Letztere hatte beispielsweise den Dienstleister Vitracom, ein Unternehmen, das sich auf Personenzählung spezialisiert hat, damit beauftragt, an belebten Plätzen der Stadt die Kundendatenströme aufzuzeichnen. Der Datenschutz werde damit gewährleistet, versichern die Betreiber. Die erfassten MAC-Adressen würden nach einem mathematischen Verfahren (Hash) verändert, so dass dieser errechnete Hashwert nicht der MAC-Adresse zugeordnet werden könne, so Vitracom.

Datenschützer laufen Sturm

Datenschützer bezweifeln, dass die MAC-Adressen Personen nicht mehr zugeordnet werden können. Damit werden dann Bewegungsmuster von Passanten und Anwohnern erstellt, die leicht Rückschlüsse auf Verhalten, Lebensweisen und auch Verfehlungen zulassen. Der Nutzer hat zu keinem Zeitpunkt seine Einwilligung erteilt.
„Nach unserer Erfahrung werden Daten, die erst einmal gesammelt werden, oft zu mehreren Zwecken verwendet. Technisch wäre es möglich, dass trotz der Codierung der MAC-Adressen nachgeschaut wird, ob Bekannte, deren Gerätenummer man vorher ausgelesen hat, sich zu einem Zeitpunkt an einem bestimmten Ort aufgehalten haben. Das könnte beispielsweise für Arbeitgeber oder im Fall von Schulschwänzern auch für die Polizei interessant sein“, fürchtet die Datenschutzbeauftragte Marit Hansen aus Schleswig-Holstein.

Sowohl in Eckernförde als auch in Pinneberg wurden die Tracking-Projekte Mitte November nicht zuletzt wegen des Widerstands von Datenschützern abgesetzt.

Mein Tipp: Bevor Sie Ihr Handy in die Tasche packen und Ihre Wohnung verlassen, deaktivieren Sie stets WLAN und auch Bluetooth, sofern es nicht zum Beispiel für eine Freisprechanlage im Auto benötigt wird. Das schont nebenbei auch noch den Akku ;).

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