Musical.ly: Mini-Playback-Show erobert Teenie-Herzen

Musical.ly - ein neuer Stern am Internethimmel?
Musical.ly – ein neuer Stern am Internethimmel?

Mia liebt sie, alle ihre Klassenkameradinnen haben sie, ihre Freundin Emilia mag sie auch und manchmal nutzen Mia und Emilia sie gemeinsam. 8,5 Millionen Deutsche und weltweit mehr als 200 Millionen Menschen haben sich die App bereits runtergeladen – Musical.ly. Sie begeistert vor allem junge Menschen zwischen 10 und 17 Jahren.

In Musical.ly schwirren Millionen von schnell erstellten 15-sekündigen Musikvideos durchs Netz, sogenannte Musicals. „Muser“, das sind Nutzer von Musical.ly, singen Playback und bewegen sich oder tanzen zu ihren Lieblingssongs.

Ein Besuch bei Mia und Emilia

Snapchat und Instagram geraten durch Musical.ly zunehmend in den Hintergrund. Warum?
Das erklären Mia und Emilia aus München, beide 12 Jahre. Schon seit Sommer 2016 ist Mia in diesem Netzwerk. Ihre Klassenkameradinnen haben sie davon begeistert. „Alle probieren das in meiner Klasse aus“. Allerdings sind es nur Mädchen. Bei Jungs kommt Musical.ly weniger gut an, weiß Emilia aus ihrer Schule. Mittlerweile hat Mia 38 Follower, betont aber, dass sie es nur privat nutzt und nicht öffentlich freigeschaltet hat. „Höchstens eine halbe Stunde brauche ich, bis ein Musical fertig ist“, sagt Mia. Man bewegt die Lippen synchron zum Text des Lieblingssongs, bewegt sich und filmt sich dabei. Es gibt immer die neueste Musik, die man auch so im Radio hört und das ist schon sehr cool“, lacht Mia. Emilia bestätigt das. Mia zitiert auch gerne aus Filmen und Serien und folgt den erfolgreichen “Muser“-Zwillingen Lisa und Lena aus der Nähe von Stuttgart.

Die Zwillinge, die mit mehr als 18 Mio. Followern zu den bekanntesten Musern zählen, verdienen inzwischen kräftig mit einem eigenen Modelabel. Sind sie Vorbild für Mia und Emilia? Reich und berühmt werden im Internet? „Nein“, bestätigen beide. „Wir machen es, wenn uns langweilig ist“, ergänzt Emilia. „Und Spaß macht es eigentlich nur, wenn man es mit einer Freundin zusammen macht. Durch Effekte wie Zeitraffer, Zeitlupe und Filter wirken die Videos professionell. Mia mag am liebsten ihre Filmchen in schwarzweiß. Die Musicals können auch auf anderen Netzwerken wie Instagram oder YouTube geteilt werden.

Und dürfen die Mütter sehen, was Töchter da so machen? „Eltern muss man blockieren“, lachen die Mädels. Die würden bestimmt Kritik üben: „Du kannst doch nicht den Garten zeigen, wegen Einbrechern und so“, weiß Mia. Seit einiger Zeit können die Nutzer durch live.ly ihre App erweitern. Sie erlaubt Live-Videos aufzunehmen und zu streamen und live in Kontakt zu treten.

Kreativer Raum für Teenies

Kein Wunder, dass das Startup aus Shanghai mit dieser App erfolgreich ist. Teenager finden dort ihre Lieblingsmusik, können sich aktiv mit ihren Songs auseinandersetzen, haben Raum für Kreativität und Spaß und bekommen eine Bühne zur Selbstdarstellung. Und sich auszuprobieren ist in diesem Lebensabschnitt natürlich wichtig. Insbesondere, wenn man dann von seinen Followern positive Rückmeldungen in Form von Herzchen und Likes bekommt.

Gefahren lauern

Doch die „Muser“ sollten auch vorsichtig sein, denn aus medienpädagogischer Sicht gibt es einige kritische Punkte zu beachten. Björn Friedrich, Medienpädagoge bei der Facheinrichtung „SIN – Studio im Netz“ in München, empfiehlt Jugendlichen, ihre Musicals nicht öffentlich zu verbreiten, sondern nur für ihre Online-Freunde freizugeben: „Wenn ein Clip veröffentlicht ist, lässt er sich nicht mehr kontrollieren, sondern er kann beliebig oft geteilt und auch kommentiert werden. Das Video könnte also in völlig anderen Zusammenhängen weiterverbreitet werden. Außerdem sind manche Kommentare möglicherweise verletzend oder beleidigend.“ Auch das deutsche Urheberrecht erlaubt keine Veröffentlichung von Videos mit fremder Musik, wie es bei Musical.ly der Fall ist. Friedrich empfiehlt, keine öffentlichen Musicals zu posten, sondern die Clips nur für Freunde freizugeben.

Die 17-jährige Sarah Riechwald, die derzeit ein freiwilliges kulturelles Jahr bei „Studio im Netz“ absolviert, kann dieser Community sowieso nicht viel abgewinnen, denn sie fühlt sich selbst schon „zu alt“ für diese App. „Ich kann den Hype schon verstehen, da die App für Jüngere tolle Möglichkeiten bietet. Aber wenn ich mir die Videos anschaue, dann finde ich nichts wirklich Innovatives oder Kreatives, mir wird da schnell langweilig.“ Zudem ist sie der Meinung, dass Eltern unbedingt wissen sollten, was ihre Kinder dort treiben. „Viele singen irgendetwas, was sie gar nicht verstehen. Nachdem jeder sich einen Account dort anlegen kann, zieht es natürlich auch Menschen an, die einfach mal junge Mädchen anschauen wollen“, warnt Sarah Riechwald. Und wie bei Facebook, Instagram, Snapchat und Co sei der Datenschutz ein Thema, den Eltern und Pädagogen mit ihren Kindern vorab besprechen sollten.

Was sollten Kinder und Eltern bei Musical.ly beachten?

Mia und Emilia dürften offiziell die App gar nicht herunterladen, da sie ab 13 Jahren freigegeben ist. Die Nutzungsbedingungen sind seitenlang und in englischer Sprache.

Musical.ly sollte mit privater Einstellung genutzt werden
Musical.ly sollte mit privater Einstellung genutzt werden

Mia und Emilia nutzen Musical.ly mit einem privaten Konto (siehe Foto). Das kann man in der App unter „Profil“, Zahnrad oben rechts, „Einstellung“, „Datenschutz“ eingeben. Die private Nutzung empfiehlt sich aus Gründen des Urheberrechts und des Datenschutzes.

Freunde, die auf einem Musical zu sehen sind, müssen damit einverstanden sein. Siehe Recht am eigenen Bild. „Muser“ geben die Rechte an ihrem Videocontent natürlich vollständig an das Unternehmen ab. Bislang ist das Geschäftsmodel von Musical.ly noch nicht bekannt. Das sollte zu denken geben.

 

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